INTERVIEW: THIS IS BADLAND MAGAZINE

11.11.2017, Literatur
 
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Die erste Ausgabe des halbjährlich erscheinenden Berliner Magazins ist auf dem Markt. Thema: die Kreativszene des Balkans. Wie bringt „This is Badland“ frischen und faszinierenden Wind in die Regale?

Wir sprachen mit den Editors Rafaela Kaćunić und Nina Vukelić über Identität, Ziele und Erwartungen.

 

 

„This is Badland“ – wie seid ihr auf euren Namen gekommen?

Der Name stammt von der Entdeckung des Begriffs „Badlands“ – eine unfruchtbare Landschaft, in der Gebirgsschichten zu vielfältigen, fantastischen Formen erodiert worden sind. Es hat diese sehr etablierte Vorstellung vom Balkan als Niemandsland widerhallen lassen. Vom Balkan als Peripherie Europas. Als Grauzone, die mit negativen Konnotationen befrachtet ist. Als Region, die weniger begehrenswert als andere ist.

Zudem ähneln sich die Wörter „Badland“ und „Balkan“ rein visuell.  Obwohl es leicht auszusprechen und intuitiv verständlich ist, bleibt die Bedeutung von „Balkan“ doch eher vage – es sei denn, man gräbt einwenig tiefer. Von diesem Startpunkt aus verwandelte sich der Name dann in das, was er jetzt repräsentiert.

 

Das Magazin handelt von der Balkanregion. Habt ihr einen nationalen Bezug auf dem Printmarkt vermisst?

Spezialisierte und hochqualitative Printtitel, welche wirklich jede vorstellbare Niche abdecken, vermehren sich rasant. Wir hatten dennoch das Gefühl, dass die Balkanstaaten noch recht unterrepräsentiert waren. Es besteht zwar beispielsweise wachsendes, internationales Interesse an Kroatien, aber die tatsächliche Auseinandersetzung mit der kroatischen Kultur bleibt sehr oberflächlich – und das hat uns gestört. Indem wir tiefer und weiter nach dem Balkan als Teil unserer eigenen Identität gesucht haben, wollen wir eine neue Perspektive auf die Welt um uns herum eröffnen.

 

 

Was können wir von eurem Magazin erwarten?

Wir wollen das Magazin nicht auf Basis der exklusiven Prämisse führen, dass wir nur mit Menschen aus der Balkanregion zusammenarbeiten werden. Wir betrachten „This is Badland“ als Plattform, die einen dynamischen Austausch zwischen hier und dort, zwischen Balkan und dem Rest der Welt und vice versa, möglich macht. Uns ist wichtig, Dialog zu initiieren und sich von jeglichen homogenen Realitätsauffassungen zu verabschieden. Vor allem angesichts des derzeitigen soziopolitischen Klimas, welches sehr populistisch ist.

 

Was wollt ihr den Lesern von der Balkanregion zeigen?

Wir gehören einer Generation an, die in einem kulturell hybriden Umfeld – zwischen unserem Heimatland und dem „Westen“ – aufgewachsen ist. Wir zielen darauf ab, den Balkan in einem anderen Licht zu zeigen und Stereotypen zu überwinden, indem wir jungen kreativen Talenten ein Mitspracherecht einräumen und dabei nicht zuletzt auch eine gute Dosis Humor an den Tag legen. Als wir unsere Recherchen anfingen, haben wir realisiert, dass unser Verständnis des Balkans über Geografie hinausgeht und quer durch symbolische, metaphorische und imaginäre Bereiche treibt. Es exisitert in seiner eigenen Negierung und kann sich daher in alles Mögliche verwandeln.

 

 

Dank Lotta Volkova und Gosha Rubchinskiy ist Osteuropa zurzeit Dreh- und Angelpunkt der Modeindustrie. Wird euer Magazin diese Stilrichtung reflektieren?

Die Balkanregion ist zu fragmentiert, um in einem spezifischen Stil reflektiert oder mit Lotta Volkovas und Gosha Rubchinskiys Stil verglichen zu werden, welcher größtenteils von osteuropäischer Subkultur und sovietischen Ästhetiken inspiriert ist. Wir würden sagen, dass der balkanische Geschmack aus einer Kollision vieler verschiedener Stile einen noch kühneren Stil kreiert und dabei stets sportliche Extravaganz und reichen Maximalismus betont. 

 

Worin genau besteht der Unterschied zwischen dem Balkan und dem Westen? Wie zeigt sich das in This is Badland?

Im Balkan trifft man auf eine bestimmte Art von Lärm, Gemüt und architektonischer Willkür, welche im Westen nicht zu finden ist. Die gravierendsten Unterschiede sind jedoch instabile Wirtschaften und schwache Regierungen im Balkan. Dinge brauchen viel mehr Zeit, weil finanzielle Mittel begrenzt sind. Man wird erfinderisch mit dem, was zur Verfügung steht. Außerdem werden Machokultur und konservative Werte stärker repräsentiert als im Westen, sodass junge Leute im Balkan ständig für ihre Ideale und Rechte kämpfen müssen. Wir möchten diese neue Generation an Kulturschaffenden vorstellen und unterstützen, welche trotz der schwierigen Bedingungen und bestehenden Stereotypen extrem motiviert und optimistisch ist, und ihre eigenen Wege findet, um inspirierende und wirkmächtige Arbeiten zu kreieren.

 

This is Badland ist auf Facebook und Instagram und erscheint halbjährlich mit stets kreativem Design.

 

Interview: Fabio Pace

Übersetzung: Dieu Linh Nguyen Xuan

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