Ader Error im Interview

24.01.2018, Mode
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Das südkoreanische Streetwear-Kollektiv wird für seinen originellen Balanceakt zwischen Minimalismus und Exzentrik gefeiert – mit gutem Grund ist die Marke seit Neuestem bei Andreas Murkudis vertreten.

Vor zwei Jahren betrat Murkudis zum ersten Mal ADER error’s Studio in Seoul. Die Faszination hielt seit dieser Begegnung an: letzte Woche feierte er die Aufnahme des jungen Kultlabels ins Sortiment seines Berliner Concept Stores.

Das 2014 gegründete Kollektiv wurde von der Vogue bereits als das südkoreanische Vêtements betitelt und fiel in den letzten Jahren mit seinem minimalistischen sowie gleichzeitig nostalgischen Ansatz auf, welcher anstrengungslos Exzentrik und Underground-Jugendkultur mit Basic, Oversized und Unisex vereint. In konsequenten Kampagnen werden die Teile mit einer traumähnlichen Note in Szene gesetzt, zwei Hauptkollektionen kommen jährlich auf den Markt und die Stückzahlen sind – um mehr Begehren zu schüren, natürlich – stark limitiert. Die Fangemeinde wächst rasant; nicht zuletzt durch Instagram. Im Interview mit Numéro Berlin klingt immer wieder die mühelose, engagierte Philosophie der jungen Designer an.

Wie sieht euer Schöpfungsprozess als multidisziplinäres Kollektiv aus?

Wir kommen jeden Tag zusammen, um zu diskutieren und an Ideen für aktuelle Projekte zu arbeiten. Dabei kann es sich um alles von der Hauptkollektion bis hin zu winzigen Agendas wie dem Mittagsmenü handeln. Jeder kann wirklich über alles reden – nicht nur über Design, sondern auch über Sales oder Kundenservice – weil wir sonst das Kreative von vornherein limitieren, das Brainstorming von vornherein beeinträchtigen.

Das Wichtigste im Designprozess ist die Erzählung einer Geschichte. Im Grunde sammeln wir für jedes Projekt als Erstes unsere Inspirationen, und sobald das Konzept feststeht, sammeln wir mit klarem Fokus darauf zunächst einmal weiter – indem wir denken, handeln, erfahren und uns vorstellen.

Euer Markenslogan lautet: „But near missed things“. Könnt ihr erklären, was dahintersteht?

Wir nehmen Dinge, welche als höchst normal gelten und daher leicht übersehen werden, und reinterpretieren sie neu. Und suggerieren dabei eine bestimmte Art von Minimalismus. „But near missed things“ – das sind Ästhetiken, Farben und Edits, die elementar und simpel sind.

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Von was habt ihr euch für eure neueste Kollektion inspirieren lassen? Was fasziniert euch im Alltag?

Die Kollektion ist quasi ein Remix unserer Kernkollektion mit neuen Einflüssen. Wir waren schon immer fasziniert von den 1990ern, also sind wir dorthin zurückgekehrt. Vor allem ins Jahr 1993. Ferner sind uns all die Betten und Matratzen in unserer Umwelt aufgefallen, die wir – unserem Markenslogan folgend – in den Fokus aller Aufmerksamkeit bringen und besonders darstellen wollten. Deswegen sind sie als Setdesign im Lookbook und der Kampagne zu sehen.

Eure Teile stellen einen ausgeprägten Retrocharme aus. Wie verwandelt ihr nostalgische Einflüsse in kontemporäre Pionierdesigns?

Ausgehend von dieser Retromood, drücken wir unsere eigene, minimalistische und kontemporäre Mood mit verschiedenen trendigen Stylings, Inhalten und Editings aus. Wir studieren genau, wofür sich das Publikum interessiert, was es sich für die Zukunft wünscht – und achten dabei immer darauf, unsere Geschichte mit der FINE-Regel zu erzählen:

1 Fun: Im Umgang mit jeglichen kreativen Inhalten, berücksichtigen wir vor allem diejenigen, die Spaß machen und zudem geistreich sind.

2 Immediate: Wenn wir eine Sache wirklich mit aller Kraft wollen, dann handeln wir ohne Zweifel.

3 New: Aus normalen Dingen wollen wir etwas Neues schaffen.

4 Easy: Unsere Arbeit sollte immer zugänglich bleiben, weswegen wir es bevorzugen, nichts zu komplex zu gestalten.

Was danach kommt, ist das Editing, bzw. das Re-Editing. Anders ausgedrückt: wie gut wir unsere Quellen und Informationen nutzen; wie wir die Geschichte unserer Marke mit unser eigenen Sensibilität aufbauen.

Was auch sehr auffällt, sind die Hintergründe eurer Lookbooks und ihre mehr oder weniger surreale Stimmung. Wie seid ihr auf diese Settings gekommen?

Der Ausgangspunkt ist immer wieder unser Markensslogan. Wir rufen unsere Kollektionen ins Leben, indem wir all diese normalen Gegenstände und Umwelten überarbeiten. Diese Strategie wird dann nach und nach komplettiert, ausgehend vom Design bis hin zum Kundenservice, bis eine feste, konzeptuelle Stimme entsteht.

Eine distinkte Ästhetik habt ihr auf jeden Fall etabliert. Wie seht ihr sie, und eure Marke als Ganzes, innerhalb der koreanischen Modeindustrie? 

Ehrlich gesagt haben wir nie darüber nachgedacht. Wir denken immer nur daran, mit allen Menschen zu kommunizieren, die unsere Marke genießen. Gerade fällt es uns schwer, unsere Position einzuschätzen, ob innerhalb Korea oder international – aber vielleicht kann man irgendwann mit mehr Gewissheit darüber reden.

Da wir schon bei Gewissheit sind: wo seht ihr ADER error in fünf Jahren?

Wer weiß das schon? Wir selbst können das wohl vor allem nicht wissen, weil wir unsere Arbeit so unmittelbar verrichten. Weil wir einfach tun, was wir in genau der Situation tun wollen.

Natürlich sind die nächsten drei, fünf, zehn Jahre aber schon in Planung. Wir können uns etwas vollkommen Neues und Unerwartetes gut vorstellen. Etwas, das noch nie zuvor jemand versucht hat.

Interview: Dieu Linh Nguyen Xuan
Bilder: PR

 

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